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Herrenchiemsee Festpiele

2017

»VON GOTT UND GÖTTERN – BAROCKE WEGE«

Wege der Entdeckungen, in eine Zukunft des Neuen, aus Wandel und Revolutionen, aber auch aus Vielfalt und Einheit. Die Welt des Barock! Eine Aufbruchszeit! Es war eine Zeit des Glanzes und eines neuen Klangs. Die Welt gewann an Weite. Doch die Welt der Menschen sah anders aus: „ein Wohnhaus grimmer Schmerzen.
Ein Ball des falschen Glücks … Schauplatz aller Angst und Widerwärtigkeit“ (Andreas Gryphius).

Jahrhundertelang glaubte man an einen Kosmos, an ein Gedankengebäude, das auf Ordnung und Regeln beruhte, und dessen von einem Gott ausgehende Bestimmtheit alles irdische Dasein beherrschte. Die Welt schien hinreichend erklärt.
Nein, das war sie nicht! Reformdruck entstand; ein Martin Luther setzte Gott in neues Licht und gab dem Individuum ein Recht. Die Folge: Religionskriege in nie gekanntem Ausmaß spalteten die Menschen, doch sie öffneten auch einen Hoffnungsraum der Freiheit und Gerechtigkeit. Neben Gott wuchsen Götter! Es kamen die „Aufklärer“: Kopernikus, Kepler, Newton, Galilei, Descartes, Leibniz und viele andere bis Voltaire.

Die Mathematik, das neue Ordnungsprinzip, das Maß aller Dinge, begründete die neue Pracht der Schlösser und ihrer Parkanlagen, die eigenmächtige Prägung von Natur und Landschaft als Folge des gestalterischen Diktats der Regenten, allen voran des Sonnenkönigs Ludwig XIV.. Das Anschauliche daran bestach. Weit in die Zukunft wirkte diese Faszination des Willens, gottähnlich Neues aus dem Nichts zu erzeugen. Ludwig I I. von Bayern sah sich in dieser Tradition. Doch sein Insel-Versailles offenbart die Entfremdung von der Welt und die Erfahrung, dass der Mensch keinen festen und natürlichen Standort auf Erden hat. Deshalb schuf sich der Mensch im Barock die Bühne, die Welt des Theaters und der Feste, die Oper und das Konzert.

Die Welt als Spiel und Illusion! Bis hinein in die Idee und Gestaltung der Symphonie, dieser einzigartigen Symbiose aus musikalisch-ästhetischer Weltenschöpfung und kritischer Reflexion der Realitäten, wirkte die schöpferische Triebkraft des Barock. Und sie war es, die den Künstler zum Genie machte, ihm eine besondere und nicht selten „sonderliche“ Eigenpersönlichkeit zuschrieb. Gerade dadurch, dass der Mensch aus dem Mittelpunkt der Welt herausgerückt war, konnte er Individuum werden - Mensch, von Krisen geschüttelt und von Idee und Hoffnung angetrieben.War dieser Weg nicht längst gewiesen? Hatte nicht Gott seinen Sohn auf die Erde geschickt, um als Mensch gewordener Gottessohn das Elend zu teilen und einen Tod aus unterschobener Schuld zu erleiden? Nicht zufällig berühren sich im Passionsdrama Menschenelend und Hoffnung auf neues Leben; offenbart sich in der Schöpferkraft des Menschen die Größe Gottes und seiner Natur.

 

 

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